STADE. Mit 41 Jahren und nach zweieinhalb Jahren Pause, zieht sich die ehemalige Bundesligaspielerin vom Buxtehuder SV und Nationalspielerin, Melanie Schliecker, ein Trikot über. Der Einsatz beim VfL Stade sei aus einer „Schnapsidee“ heraus entstanden.
Für 2,49 Euro ist im Oktober 2015 die vorerst letzte Autogrammkarte der ehemaligen Handball-Nationalspielerin Melanie Schliecker beim Internetauktionshaus ebay versteigert worden. 2,49 Euro für das Souvenir einer Handballerin, die 291 Mal für den Bundesligisten Buxtehuder SV aufgelaufen ist, insgesamt auf 309 Erstligaeinsätze kam und 114 Mal für die deutsche Nationalmannschaft spielte. Jetzt gibt sie beim Oberligisten VfL Stade ihr Comeback.
Ende des vergangenen Jahres herrschte Personalnot beim Oberligisten in Stade. Trainerin Trula Diminidis rekrutierte die Ehemalige vor dem Spiel gegen Oyten. Nach einer „Nacht- und Nebelaktion“, erklärt Schliecker, spielte die 41-Jährige 20 Minuten lang, „der Körper sagte Okay und war einverstanden“. Schliecker spielt unter Vorbehalt. Wenn sie merke, dass sie eingerostet sei, dass es zwicke und wenn die Knie nicht mehr mitmachten, höre sie auf.
1994 feierte Melanie Schliecker, die ihre Karriere in Horneburg begann, ihren ersten Titel mit dem BSV. Allerdings galt sie hinter Katja Dürkop auf Rechtsaußen beim Gewinn des Europapokals noch als Perspektivspielerin. 1996 spielte sie für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Beim Zweitligisten Rosengarten-Buchholz ließ sie in der Saison 2012/2013 ihre aktive Karriere ausklingen. Jetzt ist sie zurück, weil Melanie Schliecker gemerkt hat, wie viel Spaß ihr der Handball immer noch bereitet. Im Sommer 2015 leckte sie schon Blut bei einem Turnier von Ex-Nationalspielerinnen.
Die Trainerinnen Trula Diminidis und Kirsten Willmann und Schlieckers beim VfL aktive Schwester Tina sind die Triebfedern für das überraschende Engagement in Stade. „Die Oberliga ist eine gute Liga. Das Team ist ehrgeizig“, sagt Schliecker, die beim VfL wie einst beim BSV auf der rechten Seite auf Torejagd geht.
Keine Lust habe Schliecker auf einen Posten als Trainerin. „Aber auf dem Feld kann ich Hilfe geben und meine Erfahrungen weitergeben“, sagt sie. In Stresssituationen sorgt sie für Sicherheit. Ihre Aggressivität in der Defensive passt ins Stader Spiel. Sie strahlt Gelassenheit und Ruhe aus.
Schliecker war hochmotiviert vor dem Spitzenspiel des VfL vor einer Woche gegen den Tabellennachbarn aus Vechta. In letzter Minute machte ihr ihre zwickende Wade einen Strich durch die Rechnung. Sie sagte den Einsatz ab und sah, wie sich das Team dennoch ein Unentschieden erkämpfte. Ob es an diesem Sonnabend gegen den VfL Oldenburg III etwas wird mit einem Einsatz, hängt von der Wade ab.
Schliecker kann mithalten, obwohl sie seit nunmehr zweieinhalb Jahren höchstens sporadisch Sport getrieben hat. Die Luft sei raus gewesen. Freiwillig wollte sie sich nicht mehr bewegen. „Laufen habe ich schon immer gehasst“, sagt Schliecker. Also fiel Joggen aus. Ein wenig Beachvolleyball im Sommer, Spaßfußball mit alten Weggefährtinnen in Neugraben und Gymnastik in ihrem Dorfverein in der Nähe ihrer Heimat Amelinghausen – das war das Fitnessprogramm bis zu ihrem Comeback.
Das Heimspiel
Am Sonnabend, 18 Uhr, gastiert der VfL Oldenburg III in der VLG-Sporthalle beim Handball-Oberligisten VfL Stade. Oldenburg rangiert auf Rang elf, ist aber nicht zu unterschätzen, da das Repertoire an jungen und talentierten Spielerinnen, auch aus der Jugend-Bundesliga, groß ist. „Wir sind nach dem Vechta-Spiel im Titelrennen und wollen mit einem Sieg dran bleiben“, sagt VfL-Trainerin Trula Diminidis. Ihre Spielerinnen seien durch dieses Duell „einen Schritt weitergekommen“. Die Staderinnen hoffen wieder auf volle Ränge.
Quelle: Tageblatt

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