Die Handballerinnen des VfL Stade haben sich die Tabellenführung in der Oberliga zurückerkämpft. Mindestens bis Mittwoch. Der Verein will die Meisterschaft. Den Aufstieg in Liga 3 nicht. Clubführung und die Führungsspielerinnen nennen gute Gründe.
Die ehemalige Bundesligahandballerin in Diensten des Oberligisten VfL Stade, Anja Ziegler, wirft gegen Hude/Falkenburg das 19:10. Sie täuscht mit links ein Abspiel an und geht durch die kleine Lücke, die sie mit dieser kleinen Finte aufreißt. Der Ball zappelt im Winkel. Ziegler ballt die Faust beim Zurücklaufen. Sie hat richtig Spaß an diesem Spiel. An der Oberliga. Das Niveau ist gut, zum derzeitigen Zeitpunkt offenbar genau das richtige für den VfL Stade. Die Mannschaft steht an der Tabellenspitze. Die Konkurrenz aus Garrel kann den VfL am Mittwoch mit einem Sieg wieder überholen.
Und den Spaß am Spiel will sich das Team erhalten. Ziegler erinnert sich gut an die Saison 2016/17. Nach dem Aufstieg in die 3. Liga gewann der VfL genau ein Spiel in der gesamten Saison. „Wir haben nur Prügel bezogen. Gewinnen ist viel schöner“, sagt Ziegler. Ein neuerlicher Aufstieg ergebe keinen Sinn. Mal abgesehen vom Mehraufwand. Sie, Ziegler, würde ihn nicht auf sich nehmen. Sie habe nur das Wochenende für Mann und die zwei Kinder. Ziegler will zwar nicht für die gesamte Mannschaft sprechen, hat aber scheinbar durchgehört, dass ein Aufstieg gar nicht infrage komme.

3. Liga wäre ungleich großer Aufwand

Die Verantwortlichen sehen das genauso. „Meisterschaft ja. Aber Aufstieg, Stand heute, nein“, hatte Trainer Dennis Marinkovic nach dem deutlichen 29:20-Sieg gegen die HSG Hude/Falkenburg spontan gesagt. So ein Aufstieg dürfe kein reines Abenteuer sein, sondern nachhaltig. Der VfL müsse eine reelle Chance haben. Schon heute verfügt Marinkovic nur über 13 Spielerinnen im Kader. Für die 3. Liga ist das zu wenig. Monatelang schaute sich der VfL nach Personal um und ging sogar nur mit einer etatmäßigen Torhüterin in die Saison, ehe Katja Wedel sich überreden ließ, zurück zur Mannschaft zu stoßen.
In puncto Aufwand gibt Marinkovic Ziegler Recht. „Ich habe drei Mütter im Team. Wenn ich denen sage, wir fahren am Sonnabendmorgen um 8 Uhr nach Frankfurt/Oder und sind Sonntag um 2 Uhr nachts zurück, erklären die mir, ich solle noch mal nachfragen, ob sie mitspielen wollen, wenn wir wieder in der Oberliga spielen“, sagt der Trainer. Jetzt habe Marinkovic eine „Hammer-Mannschaft ohne Stinkstiefel“. Das solle auch so bleiben.

Nichts für den Aufstieg aufs Spiel setzen

Die Harmonie und den Spaß für einen möglichen Aufstieg aufgeben? „Wir müssten den Kader komplett umbauen“, sagt Gunnar de Buhr vom VfL-Präsidium. Diesbezüglich gibt sich de Buhr „sehr zurückhaltend“. Er meint, das würde das Team sehr belasten. Der Verein wolle die „Truppe lieber ergänzen, die sozialen Strukturen erhalten und für einen Aufstieg nichts aufs Spiel setzen.
Zudem ist der Verein gerade dabei, neue Wege in Sachen Jugendarbeit zu gehen. Konkrete Konzepte sind derzeit noch geheim. Womöglich ergeben sich mit einem breit gefächerten Unterbau ganz andere Perspektiven für die Zukunft. Ganz pragmatisch steht dem Aufstieg ein rein profaner Grund entgegen. In der 3. Liga spielen die Vereine mit Haftmitteln an den Händen, um den Ball besser kontrollieren zu können. In der Heimspielstätte des VfL Stade, der Sporthalle des Vincent-Lübeck-Gymnasiums, gilt aber Haftmittelverbot. Es gebe Gespräche mit dem Landkreis als Schulträger, der Schule und einer Reinigungsfirma, sagt de Buhr. Aber noch kein Ergebnis. Das sei ein entscheidendes Problem.

Entscheidung bis zum 15. April

Am 10. Mai geht für den VfL mit dem Auswärtsspiel gegen Hollenstedt die Saison zu Ende. Zehn Spiele muss die Mannschaft bis dahin noch bestreiten. Aktuell ist an der Tabellenspitze ein Zweikampf zwischen dem VfL und dem BV Garrel entstanden. Beide Teams trennt nur ein Punkt. Der SV Werder Bremen II ist mit drei Zählern Rückstand auf Stade ebenfalls noch in Schlagdistanz. Gegen Garrel darf Stade am 7. März noch vor eigenem Publikum antreten. Die beiden Spiele gegen Bremen sind bestritten. Gewinnt der VfL sein Restprogramm, ist die Meisterschaft sicher.
Bis zum 15. April muss sich der VfL Stade entscheiden, ob er bei einer möglichen Meisterschaft das Aufstiegsrecht wahrnimmt.
Quelle: Stader Tageblatt – Daniel Berlin

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